Kriegsspuren an Berliner Gehwegen

Mahnende Zeugnisse von Krieg & Gewalt

Status: Spuren der Geschichte ohne Schutzstatus, bedroht durch Gehwegsanierungen
Lage: Verstreut in Ost- und West-Berlin, solange historische Bausubstanz erhalten ist.
Initiative: Kriegsspuren an Berliner Gehwegen
Website: https://elohans.selfhost.co/gehwegschaeden

Das Denkmal

Berlin trägt die Spuren des Zweiten Weltkriegs bis heute im Stadtbild – nicht nur an bekannten Ruinen und Denkmalen, sondern auch an Straßenpflaster, Bordsteinen und Gehwegplatten, an denen wir täglich achtlos vorbeigehen. Sie bilden ein unbeabsichtigtes Freilichtmuseum, das sich durch die ganze Stadt zieht.

Die erhaltenen Schäden sind weit mehr als beschädigter Stein: Sie bilden ein unbeabsichtigtes Freilichtmuseum, das sich durch die ganze Stadt zieht. Während die letzten Zeitzeugen verschwinden, bleiben diese Spuren als Teil der Erinnerungskultur eine stille, unmittelbar erfahrbare Mahnung an die Folgen des Krieges und daran, wie wertvoll Frieden ist.

Noch bis in dieses Jahrtausend waren besonders im Ostteil Berlins die Spuren des Krieges in den Wänden der Gebäude allgegenwärtig. Diese Spuren verschwanden mittlerweile zum größten Teil. Erhalten sind sie oft in Sockeln und Fassaden aus Naturstein oder Ziegeln. Lange Zeit waren Einschläge, Einschüsse und Splitterrosen in Gehwegen nicht durch Sanierung bedroht. Hier sind besonders die Einschläge der Millionen von Stabbrandbomben zu nennen, die über Berlin abgeworfen wurden und zu einem Großteil in Straßen und Gehwege schlugen. 

In der jüngsten Vergangenheit setzt allerdings auch hier die Sanierung ein und der fehlende Schutzstatus kommt zum Tragen. Gehwegplatten aus Granit (Charlottenburger Platten, im Volksmund „Schweinebäuche“ genannt), die teilweise über 150 Jahre alt sind, werden durch glatte Neuware ersetzt oder durch Aufarbeiten ihrer Geschichte beraubt. Positiv ist in diesem Zusammenhang zu sehen, dass die ebenfalls aus Granit bestehenden Bordsteine oft erhalten werden, selbst wenn Granitplatten und Kleinpflaster der Gehwege vollständig ausgetauscht werden. Die straßenseitigen Wangen der Bordsteine tragen häufig die Spuren der vernichtenden Straßenkämpfe aus April 1945. An den senkrechten Flächen können wir heute noch das Ergebnis von Querschlägern jeder Art, Bomben, Granaten und vor allem Mörserfächern ablesen.

Oft übersehen ist die Tatsache, dass auch die typischen, diagonal verlegten 35 cm Betonplatten mit „Bischofsmützen“ in Berlin seit etwa 1900 verwendet wurden und teilweise auch die Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg überdauert haben.

Zur Initiative

Einzelinitiative eines Ehrenamtlichen, unterstützt durch ein loses Netzwerk aus Fachleuten: Nach vorbereitendem Vorlauf widmet sich Hans Greiner seit Beginn 2025 der Erforschung der noch in den Berliner Gehwegen sichtbaren Kriegsspuren im Kontext der Spurenträger (Pflastermaterialien und Bordsteine). Hierbei wird die Verwendung des Pflastermaterials seit 1824, die Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg, die eingesetzten Waffen und die Genese der Spuren systematisch und auf Basis der vorliegenden Literatur zu analogen Fragestellungen untersucht. Wenn möglich werden Fachleute einbezogen. Beispielhaft werden Spurenbilder im Berliner Straßenland erfasst, dokumentiert und – soweit möglich – konkretem Waffeneinsatz zugeordnet. Ergebnis ist eine mit Fundplatzsignaturen katalogisierte Fundstellensammlung, die in einem Blog veröffentlicht ist und ständig erweitert wird. Die Abgrenzung der Kriegsschäden von bestimmungsgemäßen Abnutzungsspuren und natürlicher Verwitterung ist Teil der Aufgabenstellung. Mit Artikeln, Vorträgen und Führungen erhöht Hans Greiner die Aufmerksamkeit für dieses Nischenthema. 

Ziele der Initiative

  • Unterschutzstellung der Kriegsspuren an den Orten, an denen die Kriegsschäden entstanden. 
  • Kommentierende Informationen vor Ort. 
  • Sicherung sanierungsbedrohter Spuren durch Entnahme der Steine aus dem Straßenland und publikumswirksame, museale Behandlung. 
  • Schaffen von Bewusstsein dafür, dass im Prinzip jedes Berliner Kind auf seinem Schulweg ganz persönlich berührbare und damit begreifbare Zeichen sehen kann, was die Abwesenheit von Frieden bedeutet und für Schulkinder vor 80 Jahren bedeutet hat.
September 14, 2026 Ben Buschfeld