Die auch als „Onkel-Tom-Siedlung“ bekannte Waldsiedlung Zehlendorf komplettiert als siebte Anlage das Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“. Mehrere Touren laden zu Besichtigung und Vergleichen ein.

Das bislang aus sechs Berliner Wohnensembles des frühen 20. Jahrhunderts bestehende Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“ wurde erweitert: Seit dem 26. Juli ist die „Waldsiedlung Zehlendorf“ dabei. Das KulturerbeNetz.Berlin gratuliert allen Bewohnenden sowie allen, die – angeleitet durch das Landesdenkmalamt Berlin und dem Team rund um Landeskonservator Christoph Rauhut und Welterbe-Referentin Sabine Ambrosius – die Bewerbung die letzten Jahre erfolgreich vorangetrieben haben!
Auch im Kontext des bereits seit 2008 bestehenden Welterbes weist die Waldsiedlung Zehlendorf einige besondere Merkmale auf, die als sogenannter „ouv“ (Kurzformel für engl. für outstanding universal value) bei der Begründung besonders hervorgehoben wurden. Hierzu zählen insbesondere:
- die planvolle Einbettung des gesamten Ensembles in die bereits bestehende natürliche waldreiche Umgebung, welche durch einen engen Kiefernbestand geprägt ist
- die markante Farbigkeit, die Bruno Taut als leitender Architekt bereits in Falkenberg und Britz erprobte hatte, jedoch für die Waldsiedlung noch systematisch weiter entwickelte
- die integrale Anbindung der Siedlung an den öffentlichen Nahverkehr in Form der ab 1926 verlängerten und dann als Tiefbautrasse geführten U3 mit der Ausgestaltung des Bahnhofs als Nahversorgungszentrum mit zwei parallel zum Gleisbett geführten Ladenzeilen.
- Und wie bereits bei den anderen Siedlungen:
die Umsetzung neuer städtebaulicher Konfigurationen vor dem Hintergrund der zu Beginn des 20. Jahrhunderts grassierenden Wohnungsnot mitsamt neuen Finanzierungsmodellen und der Einbettung in eine dezidiert soziale ausgerichtete politische Konzeption.
- Pressemitteilung der Deutschen UNESCO-Kommission anzeigen
- Pressemeldung des Landesdenkmalamt Berlin mit kurzem Video
Mehrere Tourangebote von Mitgliedern des KulturerbeNetz
Mit Andreas Barz und Ben Buschfeld bieten auch zwei aktive Mitwirkende des KulturerbeNetz.Berlin demnächst – sowie mehr oder minder regelmäßig – Führungen in der 1926-31 entstandenen Siedlung an, welche östlich an den U-Bahnhof „Onkel Toms Hütte“ angrenzt. Auch zu der städtebaulich sehr vergleichbaren Hufeisensiedlung im Britz werden Führungen angeboten. Der Bezug der beiden zu dem – auch auch als „Papgeiensiedlung“ oder „Onkel Tom-Siedlung“ bezeichneten – Ensemble ist kein Zufall …
12.+13. September, je 10–16 Uhr:
Radsafari(s) zum Tag des Offenen Denkmals
Andreas Barz integriert die Waldsiedlung Zehlendorf des öfteren im Rahmen von Bus- oder Fahrradtouren ausgehend von der räumlichen Nähe der Siedlung zu dem von ihm mit geleiteten Studentendorf Schlachtensee. Relativ regelmäßig ist dies bei den sehr empfehlenswerten jährlichen Bustouren der Stadtlandschaftssafaris der Initiative „Schaustelle Nachkriegsmoderne“ der Fall.
Die nächste Tour erfolgt aber per Fahrrad als „Radsafari“ zum Tag des Offenen Denkmals (Programm-Website wird in Kürze freigeschaltet) als Kooperation mit Roswitha Tohermes am 12. und 13. September. Die Touren startet je um 10.00 Uhr und erfordern eine vorherige Anmeldung.
Sa, 1. August, 11–13 Uhr +
29. September 17–19 Uhr:
Rundgang Waldsiedlung Zehlendorf
Ben Buschfeld hat zu den Berliner Welterbe-Siedlungen verschiedentlich publiziert und bietet Touren in allen Siedlungen des Welterbes. Hintergrund ist, dass er selbst in der städtebaulich und gestalterisch eng mit der Waldsiedlung verwandten, Hufeisensiedlung in Neukölln-Britz wohnt und dort gemeinsam mit seiner Frau Katrin Lesser das „mietbare Museum“ Tautes Heim betreibt, welches nach Idealen des Architekten Bruno Taut gestaltet ist.
Die nächste Tour in Zehlendorf ist – aus aktuellem Anlass der Erweiterung – bereits am Samstag, den 1. August. Sie dauert ca. zweieinhalb Stunden und startet um 11:00 Uhr am U-Bhf. Onkel-Toms-Hütte (U3, Ausgang West zur Onkel-Tom-Straße). Eine Anmeldung (bitte mit Angabe von Datum, Siedlung und Zahl der Teilnehmenden) ist erforderlich.

So, 13.9.: Guided Tour (EN) +
Fr, 18.9.: Rundgang Hufeisensiedlung
Eine Tour in Neukölln-Britz bietet sich an als Vergleich, da viele in Zehlendorf verwendete Bauteile und Grundrisse ursprünglich für die in Städtebau, Größe und Programmatik sehr vergleichbare Hufeisensiedlung in Britz entwickelt wurden. Hier bietet Buschfeld zum Tag des Offenen Denkmals am Sonntag, den 13.9. um 14.00 Uhr eine „Guided Tour“ auf Englisch an. Treffpunkt ist die Infostation Hufeisensiedlung in der Fritz-Reuter-Allee 44 in 12359 Berlin-Neukölln-Britz
Eine weitere, diesmal auf Deutsch geführte, Tour durch die Britzer Siedlung findet dann am Freitag, den 18. September im Rahmen des vom Berliner Zentrum Industriekultur organisierten Festivals der Industriekultur statt. Sie startet um 15.00 Uhr ebenfalls an der Infostation Hufeisensiedlung.
- industriekultur.berlin/festival/veranstaltung/architekturfuehrung-durch-die-hufeisensiedlung/
- https://www.visitberlin.de/de/event/tour-durch-das-unesco-welterbe-hufeisensiedlung-ausstellung-und-projekte
HINWEIS: Zu allen drei gennanten Touren ist eine Anmeldung (bitte mit Angabe von Datum, Siedlung und Zahl der Teilnehmenden) erforderlich.
Website zu den anderen sechs Welterbe-Siedlungen
Wer die Siedlungen lieber auf eigene Faust erkunden möchte, kann dies auch tun. Hierzu eignet sich die vom „Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V. durch Buschfeld erstellten Website. Dank responsiver Programmierung funktioniert sie auch am Smartphone und bietet so auf handliche Art eine Menge Informationen, inklusive sechs interaktiven Touren, vielen Fotos und Fakten, kleineren Anekdoten und Aufgaben sowie einem umfangreichen Glossar- sowie einen Biografie-Teil. Die zweisprachige Website entstand im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 unter Verwendung von Bundes- und Landesfördermitteln, muss jedoch noch um den Neuzugang ergänzt werden.


