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150 Jahre Tessenow
23. Mai | 09:00 – 20. Juni | 18:00

Der Architekt und Hochschullehrer Heinrich Tessnow (1876–1950) gilt neben Hermann Muthesius als der wohl bedeutendste Vertreter der Reformarchitektur, an dessen Werk sich viele nachfolgende Architekten orientierten. Von ihm stammt auch das berühmte Zitat „Das Einfache ist nicht immer das Beste; aber das Beste ist immer einfach“.
Aus Anlass des 150-jährigen Geburtstages bietet der Architekten- und Ingenieurverein Berlin-Brandenburg (AIV-BB) in Kooperation mit dem Architekturhistoriker Steffen Adam zwei Tagesexkursionen nach Magdeburg und Dresden an, auf die wir hier gerne aufmerksam machen. Für Fans der 1920er-Jahre empfiehlt es sich eine Fahrt nach Magdeburg ohnehin, da die Stadt neben Berlin und Frankfurt, die wohl größten Konzentration von Siedlungen im Stil des – auch von Tessenow inspirierten – Neuen Bauens aufweist …
23.5.2026:
Fahrrad-Tagesexkursion nach Magdeburg
Zwischen der Altstadt Magdeburgs und den Wohngebieten der Reformarchitektur und des Neuen Bauens lagen seit 1855 die Grusonwerke, einem der bedeutendsten Unternehmen des Maschinenbaus und der Rüstungsindustrie im Deutschen Reich. Ab 1892 unterstütze der nun mehr unter Friedrich Krupp AG Grusonwerk firmierende Standort am eigenen Beispiel Essen, Margaretenhöhe, den Siedlungsbau für alle Beschäftigten.
Die Gartenstadt Hopfengarten, die Siedlung Reform und der Bauverein der Grusonwerk-Beamten, „Protzenheim“, wurden um die Jahrhundertwende gegründet. Im Hofengarten hatten die Gründer das Ziel, eine gemischte Mitgliedschaft aus allen Bevölkerungsschichten und Berufszweigen zu erreichen, um „… zur Milderung der Klassengegensätze zwischen Arbeitern, Beamten und Gewerbetreibenden“ beizutragen. Hier plante Heinrich Tessenow für den Kunsthistoriker Paul Ferdinand Schmidt ein Wohnhaus, Birkenstraße 7 Ecke Im Grünen, dass sich an Tessenows Bauten in Trier anlehnt.
An Tessenow orientiert sich wiederum Bruno Taut mit seinen Bauten für die Gartenstadt-Kolonie Arbeitersiedlung Reform, genannt „Rotenburg“. 1921 berief Hermann Beims Taut zum Stadtbaurat. Geld war keines da. Deshalb startete Taut eine Zeitungskampagne unter dem Titel „Aufruf zum farbigen Bauen“. Die Aktion mit Johannes Göderitz und Carl Krayl entwickelte sich zu einem erfolgreichen Werbefaktor für die Stadt, die ihr zeitweilig den Titel „Bunte Stadt Magdeburg“ und eine beachtliche Resonanz in der Tages- und Fachpresse einbrachten.
Auf Tauts Generalsiedlungsplans erfolgte 1924 bis 1932 der Bau der Beims-Siedlung im Auftrag des Vereins für Kleinwohnungswesen und der Magdeburger Gemeinnützigen Heimstätten A.G., einer Ikone der Moderne. Die Stadt Magdeburg feiert 2027das Festival der Moderne als „Bunte Stadt der Moderne“ 1919-1933.
Dauer der Fachexkursion mit Fahrrad: 8 Stunden entsprechend 10 Unterrichtseinheiten á 45 min. §6 Abs 2 FortPrakV AK Bln. Für die Teilnahme gibt es beim AIV-BB 10 Fortbildungspunkte der AK.
20.6.2026:
Tagesexkursion nach Dresden-Hellerau
In Dresden verbindet die Straßenbahn-Linie 8 Hellerau direkt mit der Südvorstadt, Neustadt und Altstadt. Sie verkehrt täglich von ca. 5 bis 1 Uhr und ist die schnellste Option, da sie durch die wichtigsten Stadtteile führt. Die Fahrt dauert typischerweise etwa 12 Minuten und bildet damit eine der wichtigsten Voraussetzungen der Gartenstadtidee von Ebenezer Howard: Die Anbindung des Wohnens im Grünen an das Zentrum der Stadt mit Schienenfahrzeugen.
Der Gründer der Möbel-Manufaktur, der seinen Namen, um den Standort seines bedeutenden Schaffens zu unterstreichen, dem Zeitgeschmack typisch auf Carl Schmidt-Hellerau verlängerte, wollte wie im Gesamtkunstwerk üblich, auch sämtliche Lebensbereiche seiner Firma gestaltet wissen – und sie kamen alle: Fritz Schumacher aus Hamburg, Muthesius aus Nikolassee, Theodor Fischer aus München. Schmidt hatte mit dem Politiker Friedrich Naumann, dem Publizisten Wolf Dohrn und dem Architekten Richard Riemerschmid die gemeinnützige Gartenstadt Hellerau GmbH gegründet.
Heinrich Tessenow wollten die würdigen Herren der konservativen Spielart der Reformarchitektur gar nicht dabeihaben. Erst Prof. Martin Dülfer, der Tessenow schon an die Technische Hochschule Dresden verpflichtet hatte, spannte ihn nun zusammen mit Alexander von Salzmann und Adolphe Appia in das Projekt Tanz- und Bildungseinrichtung von Émile Jaques-Dalcroze, dem Festspielhaus, ein.
Dauer der Fachexkursion: 8 Stunden entsprechend 10 Unterrichtseinheiten á 45 min. §6 Abs 2 FortPrakV AK Bln. Für die Teilnahme gibt es beim AIV-BB 6 Fortbildungspunkte der Architektenkammer Berlin. Für Nicht-AIV-Mitglieder kostet die Bescheinigung eine Bearbeitungsgebühr von 25€. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.
Anmeldung unter mail@aiv-bb.de erbeten.
Der AIV hat das Ziel, die Berliner Baukultur zu fördern. Seine wichtigste Aufgabe sieht der traditionsreiche und zweitälteste Verein Berlins darin, Stellung zu aktuellen Planungsvorgängen zu beziehen und Einfluss auf die Entwicklungen in wichtigen städtischen Bereichen der Hauptstadt zu nehmen. Er analysiert und kommentiert Etappen und Projekte und stellt Diskussionsansätze für die zukünftige Stadtentwicklung vor. Der AIV ist ein wichtiger und kritischer Begleiter der Bau- und Kulturgeschichte Berlins, Preußens und Deutschlands.
Architekten- und Ingenieursverein zu Berlin-Brandenburg e.V.
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