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Vorträge zum Neuen Bauen
6. März | 17:00 – 28. März | 17:00
Die Hufeisensiedlung in Neukölln-Britz feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Bei der Triennale der Moderne im Oktober stand die Grundsteinlegung 1925 im Fokus, 2026 begeht man die Erstbezüge. Am 6. und am 12. März werden zwei Ausstellungen gezeigt, die von dem auch fürs KulturerbeNetz tätigen und vor Ort wohnenden Gestalter Ben Buschfeld erstellt wurden. Beide Vernissagen werden von einem einführenden Vortrag begleitet. Die am 6.3. eröffnende Ausstellung ist Auftakt einer Veranstaltungsreihe der VHS Neukölln. Am 12.3. gibt es beim Berliner Werkbund einen Vortrag zu Mietermagazinen als Spiegel der NS-Gleichschaltungspolitik ab 1933. Am 19.3. geht es im Rathaus Charlottenburg um Leben und Werk des Gartenarchitekten Ludwig Lesser. Das Podium am 28.3. im Schloss Britz verdeutlicht die Abkehr von tradierten Wohn- und Einrichtungsformen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Fr, 6.3. | 17:00 Uhr in der VHS Neukölln: Vernissage + Vortrag
Wanderausstellung zum Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“,
Vortrag und Auftakt zur Veranstaltungsreihe 100 Jahre Hufeisensiedlung –
Ort: VHS, Kurt-Löwenstein-Haus, Karlsgartenstr. 6, 10249 Berlin-Neukölln
2008 wurden sechs Berliner Siedlungen in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen. Sie entstanden als Antwort auf die zu Beginn des 20. Jh. herrschende krasse Wohnungsnot. Dank des Zusammenschlusses zu Groß-Berlin 1920, konnte man auf viel neues Bauland zugreifen. Unter Leitung von Stadtbaurat Martin Wagner und Bruno Taut als Chefarchitekten der 1924 gegründeten GEHAG wurden neue Konzepte des aufgelockerten Städtebaus und der politischen Umsetzung erprobt. Sie lieferten politisch, sozial, architektonisch und hygienisch überzeugende Antworten auf Frage, die sich damals in vielen Städten Europas stellten und gelten heute als Berlins wichtigster Beitrag zur Architekturgeschichte.
Der selbst in der Britzer Siedlung wohnende Denkmal-Experte Ben Buschfeld erklärt die Besonderheiten, Bedeutung und individuellen Qualitäten der Berliner Welterbe-Siedlungen. Hiermit erläutert er gleichzeitig die von ihm erstellte Wanderausstellung zum Thema, die zuletzt mehrfach thematisch erweitert wurde, zuletzt um die 2023 zur Ergänzung des Listeneintrags vorgeschlagene Waldsiedlung Zehlendorf. Das Event ist Auftakt für eine mehrmonatige Veranstaltungsreihe der VHS Neukölln.

Do, 12.3. | 18:30–20:00 Uhr, Werkbund Berlin: Vernissage / Vortrag
Sonderausstellung „Die Mietermagazine von EINFA und GEHAG
von 1930 bis 1939 – Von Gestaltungsvorschlägen zur NS-Propaganda“
Ort: Werkbund Berlin e.V., Goethestraße 13, 10623 Berlin-Charlottenburg
„Die Mietermagazine von EINFA und GEHAG 1930–1939 – Von Gestaltungsvorschlägen zur NS-Propaganda“: Die Ausstellung widmet sich den von 1930–1939 monatlich herausgegebenen „Nachrichtenblättern“ der EINFA. Diese war für die Verwaltung der Bestände und Projekte der Wohnungsbaugesellschaft GEHAG zuständig. In den Mietermagazinen spiegeln sich die Umbrüche in der Politik des aus dem linken und gewerkschaftsnahen Spektrum heraus entstandenen Unternehmens. Bis Mitte 1933 dreht es sich in den Magazinen um Haus und Garten, modern-zweckgemäße Einrichtung und gesundes Wohnen. Nach der Gleichschaltung der GEHAG änderten sich umgehend Layout und Typographie, ziemlich bald aber auch die Inhalte, so dass immer mehr NS-Propaganda und völkische Themen Raum fanden.
Wie und warum es im Falle von EINFA und GEHAG historisch dazu kam, schildert Autor Ben Buschfeld zur Eröffnung im Rahmen eines Bildvortrags. Ein verkürzter Ausstellungsrundgang wird im Rahmen der Finissage am 17. April um 18.00 Uhr erfolgen. Um Anmeldung unter kontakt@werkbund-berlin.de wird jeweils gebeten.

Do, 19.3. | 19:00–20:00 Uhr im Rathaus Charlottenburg
„Ludwig Lesser in Berlin“, Bildvortrag
Ort: Rathaus Charlottenburg – Festsaal im 3. OG,
Otto-Suhr-Allee 100, 10585 Berlin
Ludwig Lesser (1869-1957) war Berlins erster rein planerisch tätiger selbstständiger Gartenarchitekt. Ab 1909 leitete er ein Planungsbüro mit durchschnittlich zwei bis drei Angestellten, zu denen zeitweise auch sein Sohn Richard gehörte. Vor seinem Weg ins schwedische Exil ab 1938 schuf er viele bedeutende Anlagen in und um Berlin. Zu ihnen zählen etwa die beiden zum UNESCO-Welterbe zählenden Ensembles der Gartenstadt Falkenberg und der Weißen Stadt in Reinickendorf sowie außerdem die Gartenstadt Staaken, die Villen- und Landhauskolonie in Frohnau und Bad Saarow-Pieskow am Scharmützelsee, wie auch zahlreiche Villengärten. Er kooperierte er u.a. mit Bruno Taut oder Otto-Rudolf Salvisberg und war einer der Wegbereiter von Gartenstadt- und Volkspark-Bewegung. Neben seiner Arbeit betätige er sich als Autor, Dozent und Rundfunkpionier und gehörte mehreren Fachorganisationen an. Mit seinen populären Radiosendungen zu Gartenthemen, sowie diversen Vorträgen und Publikationen zu Kleinhausgärten darf er als eine frühe Form des Influencers gelten. Von 1923 bis 1933 war er Präsident der „Deutschen Gartenbau Gesellschaft“ bis er aufgrund seiner jüdischen Herkunft zurücktreten mußte. Nach Jahren des Berufsverbotes emigrierte er 1939 zu seinem Sohn nach Schweden, wo er 1957 als 88-jähriger verstarb.
Auch seine Urenkelin, Katrin Lesser – Mit-Betreiberin von KulturerbeNetz-Mitglied Tautes Heim – arbeitet als Landschaftsarchitektin mit Schwerpunkt Gartendenkmalpflege und Neuanlagen. In ihrem Vortrag gibt sie Einblicke in das Leben und Werk ihres Urgroßvaters in Berlin.


So, 28.3. | 15:00–17:00 Uhr in Schloss Britz: Podium
„Altes und Neues Wohnen“ –
Bildvortrag, Kuratorenführung und Podiumsgespräch
Ort: Schloss Britz, Alt-Britz 73, 12359 Berlin-Neukölln
Mit den rasanten Umbrüchen in Kunst, Kultur und Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert, stellte sich auch die Frage des zeitgemäßen Wohnens neu. In Berlin sowie auch in anderen Zentren des Neuen Bauens entstanden nicht nur neue Quartiere, sondern auch andere Leitbilder für Möblierung und Innenraumgestaltung. Ging es im späten 19. Jahrhundert vielfach darum, den sozialen Status zu dokumentieren oder optisch zu heben, indem man mit verzierten Fassaden und Mobiliar, Kitsch und Nippes den Wohnstil der höheren Schichten imitierte, machten sich die progressiven Planer nun daran, unter dem Motto “Licht, Luft und Sonne” gleich auch die guten Stuben der Weimarer Republik auszulüften, um ihnen den Muff und die Rollenbilder der Kaiserzeit auszutreiben und stattdessen für eine zweckmäßig-funktionale Gestaltung auch im Innenraum zu werben. 1907 gründete sich der Deutsche Werkbund, der rasch zu einem wichtigen Impulsgeber moderner Gestaltung werden sollte.
In einer Kombination aus Bildvortrag, Lesung, Kuratorenführung und Podiumsgespräch in den Räumen von Schloss Britz, führen die beiden Experten Christian Mayrock und Werkbund-Mitglied Ben Buschfeld in die Thematik ein. Anhand einzelner Möbel und Einrichtungstrends zeigen sie auf, wie sich damals ein Paradigmenwandel auch in der Inneneinrichtung vollzog. Hierzu wird die Einrichtung vor Ort im Schloss erläutert und per Bildvortrag mit derjenigen aus dem unweit gelegenen Projekt TAUTES HEIM kontrastiert.



Christian Mayrock ist freier Künstler, Kurator, Ausstellungs- und Museumsführer. Er arbeitet sowohl für die Kuturstiftung Schloss Britz und ihre Räume als auch für das Werkbund-Archiv – Museum der Dinge.
Ben Buschfeld ist Designer, Kurator und Projekt-Autor. Er hat mehrfach zu den Siedlungen der Berliner Moderne publiziert, ist gemeinsam mit seiner Frau Katrin Lesser Eigentümer und Betreiber von Tautes Heim und hatte u.a. im Oktober 2025 die Tagung zu 100 Jahren Hufeisensiedlung organisiert.
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