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Gleichschaltung der GEHAG

12. März | 18:00 19:30

Die Mietermagazine von EINFA und GEHAG 1930–1939 – 
Von Gestaltungsvorschlägen zur NS-Propaganda 

Ab Ende 1924 errichtete die Wohnungsbaugesellschaft GEHAG (Gemeinnützige Heimstätten, Spar- und Bau Aktien-Gesellschaft) in Berlin mehrere wegweisende Quartiere des Neuen Bauens, die heute zum Teil UNESCO-Welterbestatus haben. Zu ihnen zählen etwa Hufeisensiedlung in Britz oder die Wohnstadt Carl Legien im Prenzlauer Berg sowie der aktuelle Erweiterungsvorschlag zu den Welterbe-Siedlungen, die Waldsiedlung Zehlendorf. Zu der von ihm organisierten Tagung zum 100-jährigen Geburtstag der Britzer Hufeisensiedlung im Rahmen des Festivals Triennale der Moderne entwickelte der auch fürs KulturerbeNetz.Berlin tätige Gestalter eine Sonderausstellung zu den zeitgeschichtlich spannenden Mietermagazinen, welche ab dem 5. März in den Räumen des Berliner Werkbund e.V. in der Goethestraße 13 in Berlin-Charlottenburg gezeigt wird. Zur Vernissage hält Buschfeld einen einführenden Vortrag.

Cover der EINFA-Mietermagazine 1930 und 1936; Quelle: Archiv tautes-heim.de

Geschichte und Bedeutung von GEHAG und EINFA

Die überaus produktive und klug konstruiierte GEHAG wurde 1924 von Werkbund-Mitglied Martin Wagner und dem Gewerkschaftsführer August Ellinger gegründet. Sie stand der SPD und der Gewerkschaftsbewegung nahe. Als Chefarchitekten wurde Bruno Taut berufen, der ebenfalls zu den zentralen Figuren des Werkbunds zählte. Bei dem Bau der Siedlungen verfolgte man eine soziale Agenda, griff Ideale der Gartenstadtbewegung auf und überführte diese in einen urbanen Städtebau, der sich zeit- und kostensparend in serieller Taktbauweise realisieren liess. Zu den Aktionären der GEHAG zählten neben zahlreichen Gewerkschaften und Genossenschaften auch die Allgemeine Ortskrankenkassen von Berlin und Rixdorf. Die Bauausführung übernahm die angegliederte Berliner Bauhütte.

Die Entwicklung der GEHAG zur Zeit des „Dritten Reichs“ ist ein mahnendes Beispiel der erschreckend effektiven Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten. Nur wenige Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde das Management der überaus erfolgreichen Wohnungsbaugesellschaft ausgetauscht, um die GEHAG in die Deutsche Arbeitsfront einzugliedern. Dadurch änderten sich Architektur und Agenda, was sich visuell wie inhaltlich sehr direkt und rasch an den hauseigenen Publikationen ablesen lässt. 

Die parallel gegründete EINFA (Berliner Gesellschaft zur Förderung des Einfamilienhaus gGmbH) war für die Verwaltung der Wohnbauten der GEHAG zuständig. Sie gab von 1930 bis 1939 monatlich Mietermagazine heraus. Diese spiegeln exemplarisch die Umbrüche in der NS-Zeit: Bis Mitte 1933 dreht es sich in den Magazinen um Haus und Garten, modern-zweckgemäße Einrichtung und gesundes Wohnen. Nach der Gleichschaltung der GEHAG änderte sich umgehend das Layout, ziemlich bald aber auch die Inhalte, so dass immer mehr NS-Propaganda Raum fand. Zu Ausstellungseröffnung schildert Werkbund-Mitglied Ben Buschfeld die Ereignisse und verdeutlicht in seinem Vortrag anhand ausgewählter Auszüge der Mietermagazine, wie erschreckend schnell, effektiv und offen die Gleichschaltungpolitik praktiziert wurde. 


Situation vor Ort heute

Nach der Privatisierung der GEHAG 1998 durch den Berliner Senat, gehören weite Teile der Bestände heute zum Portfolio der Deutsche Wohnen / Vonovia-Gruppe. Anders als die knapp 1300 Einheiten zählenden Geschosswohnungbauten in der Britzer Siedlungen wurden die insgesamt 679 in Einzeleigentum überführt. Näheres dazu findet sich in der Backstory und Vorgeschichte unseres Mitglieds Tautes Heim.

Aufgrund verschiedener Umstände gab es immer wieder auch Versuche rechter Kreise in der Siedlung und ihrem näheren Umfeld Stimmung zu machen. Diese Versuche scheiterten angesichts des ganz überwiegend linksliberal bis bürgerlichen Mileus der Bewohnenden zwar kläglich, mündeten aber auch in einigen Übergriffen und Einschüchterungsversuchen gegenüber Bewohnenden.


100 Jahre Hufeisensiedlung –
Weitere Ausstellungen und Events

Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Erstbezüge in Britz 1926 organisiert auch die VHS Neukölln eine Veranstaltungsreihe mit verschiedenen Führungen, Diskussionen, Vorträgen sowie einer – ebenfalls von Buschfeld gestalteten und verfassten – Ausstellung, welche im zentralen Neuköllner VHS-Gebäude in der Boddinstraße gezeigt wird und sich dem UNESCO-Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“ widmet. Sie wird am 6. März um 17 Uhr ebenfalls mit einem Vortrag des Autors eröffnet. Nähere Infos entnehmen Sie bitte der

Visual der VHS-Veranstaltungsreihe (Fotos der Eingänge: © Buschfeld)

Deutscher Werkbund Berlin e.V.

Deutscher Werkbund Berlin e.V.

Goethestr. 13 Berlin 10963 Germany
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