Gartenstädte des 21. Jhs.

Bericht und Video Mitschnitt
einer internationalen Fachkonferenz der Universität Paris – u.a. mit good practice-Beispielen aus den Berliner-Welterbe-Siedlungen

Hier ein Bericht von einer spannenden Konferenz, wo KulturerbeNetz-Mitglied und Gestalter Ben Buschfeld einige der in Berlin entstandenen Projekte der Architektur- und Denkmalvermittlung vorstellen konnte – unter anderen auch die Ankündigung der demnächst live geschalteten Projekts „Rote Liste“


Video-Mitschnitt

Die vorwiegend auf Französisch gehaltene Konferenz wurde komplett mit Simultanübersetzung ins Englische aufgezeichnet und in halbtageweise gegliederten Blöcken eines eigens eingerichteten Youtube-Kanals bereitgehalten. Der Bericht aus Berlin mit kurzem Verweis auf das KulturerbeNetz und die Rote Liste findet sich unter:

https://youtu.be/Fa0mQLAY9tI

Vorstellung des KulturerbeNetz.Berlin – Fotos: Katrin Lesser (Konferenz), Berthold Kujath (Foto in Projektion)

Bericht von der Konferenz

1898 verfasste der britische Architekturtheoretiker Ebenezer Howard das bahnbrechende Werk „Garden Cities of to-morrow“, ein Werk, das alsbald ins Deutsche und weitere Sprachen übersetzt wurde und fortschrittliche reformorientierte Planer in ganz Europa inspirierte. Die Konzepte, die Howard als Gegenmodell zu den sich im Zuge der Industrialisierung herausbildenden Slum-artigen Behausungen in Arbeiterquartieren Londons entwickelt hatte, gehören damit auch zu den ideengeschichtlichen Grundlagen, in denen auch der Bau der sechs 2008 gemeinsam als UNESCO-Welterbe eingetragenen „Siedlungen der Berliner Moderne“ wurzelt.

Prominente Beispiele dieses Siedlungstyps in Berlin sind die Gartenstadt Staaken und die – heute mit zum UNESCO-Welterbe zählende Gartenstadt Falkenberg. Beide Siedlungen entstanden damals vor den Toren der Stadt, nämlich noch vor dem Zusammenschluss zur Einheitsgemeinde Groß-Berlin im Jahre 1920. Bei beiden Anlagen war Ludwig Lesser mit beteiligt, Berlins erster freischaffender Gartenarchitekt und Urgroßvater meiner Frau Katrin Lesser, die – im gleichen Beruf arbeitend – viele seiner bis 1933 realisierten Anlagen erforscht hat und zum Teil auch mit den Wiederherstellungsarbeiten betraut war. Die 1913–16 entstandene Gartenstadt Falkenberg ist damit die chronologisch erste der sechs Berliner Welterbe-Siedlungen, die in ihrer Gesamtheit aus sechs Einzelanlagen auch deshalb Welterbe geworden sind, weil sie bauästhetisch herausragend den Übergang von der reformorientierten Gartenstadt-Bewegung der 1910er Jahre zum kostensensiblen, zeilenbasierten und von Grünzonen durchzogenen Großsiedlungsbau der 1920er und 30er Jahre aufzeigen – das Städtebau-Paradigma, an das nach dem Zweiten Weltkrieg wiederum die internationale Nachkriegsmoderne wesentlich anknüpfte.

Die Konferenz in Paris ging dabei zwei Fragestellungen nach:

  • Erstens sollte untersucht werden, wie die ab ca. 1906 überall in Europa enstandenen Gartenstädte heute funktionieren und wie und wo sie bestmöglich erhalten und kommuniziert werden.
  • Zweitens wurde diskutiert, ob und wie Howards Konzepte auch Lösungsansätze für die sozialen und ökologischen Herausforderungen in Städtebau und Regionalplanung des 21. Jahrhunderts liefern können.

Im Rahmen des ersten Punktes war ich von den Veranstalterinnen – der Universität Paris und https://www.citesjardins-idf.fr – eingeladen, verschiedene Projekte im Bereich Denkmalpflege und -vermittlung zu präsentieren, die in den letzen zwölf Jahren unter unserer Mitwirkung in verschiedenen Konstellationen entstanden sind und irgendwie mit den Welterbe-Siedlungen in Verbindung stehen:

Fazit und Ausblick

Im Rahmen der zweiten Fragestellung konnte – wie erwartet – konstatiert werden, dass Howards Konzept der Gartenstädte sich sehr gut auch mit sozialen und ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts verbinden lässt. In diesem Zusammenhang seien hier nur einige Schlagworte genannt, die heute ganz aktuell die Debatte prägen:#biodiversität, #artenvielfalt, #ecocity, #sharingeconomy, #genossenschaftsbank, #codesign, #energieeffizienz, #klimaschutz, #greenenergy, #wohnraummangel, #carsharing, #Verkehrswende, regionale Produktion, Entsiegelung von Flächen und vieles mehr.

Hier bietet es sich also an, bestimmte soziale und ökologische Gebote der Stunde mit den komplexen Modell Howards abzugleichen, welches eben auch nicht nur städtebauliche, sondern eben auch soziale, finanzpolitische und ökologische Ebenen hat, auch wenn diese in der Anwendung oft verkürzt wurden und der Begriff „Gartenstadt“ auch zu Beginn des 20. Jhs. häufig mehr als Marketing-Label missbraucht wurde. Auch das passierte schnell etwa in der irreführenden Beinamen Gartenstadt für die Villen- und Landhauskolonie Frohnau – ebenfalls ein Entwurf unter Beteiligung Lessers .

Insgesamt war es eine sehr spannende Konferenz, zu der auch ein umfangreicher, über 400 Seiten starker Katalog (ISBN 978-2-86364-387-7) erschinenen ist. Dieser ist allerdings leider nur auf Französisch:
https://youtu.be/Fa0mQLAY9tI

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